Interview mit Ralph Caspers

Interview mit Ralph Caspers

Bereits vor einem Jahr hatte ich das Vergnügen, einer Lesung von Ralph Caspers lauschen zu dürfen. Ich kann euch sagen, ein wahrhaftiges Vergnügen – nicht nur für die kleinen Zuhörer! Ich habe mittlerweile schon unzählige Lesungen besucht, aber keine war so lustig wie die von Ralph Caspers. Ob Groß oder Klein, alle Augen strahlten am Ende. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Ralph Casper nun sogar mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande für sein Engagement für die Bildung ausgezeichnet wurde. Als Moderator der Sendung mit der Maus“ und Wissen macht Ah!“ erklärt er uns Kindern Interessantes und Wissenswertes aus der ganzen Welt und das nicht nur lustig und urkomisch, sondern tatsächlich auch lehrreich. Klar, dass ich nun die Gelegenheit genutzt habe, um noch mehr über ihn zu erfahren.

Leonie Kokott: Liest du eigentlich gerne?

Ralph Caspers: Ja, sehr gerne.

Leonie Kokott: Und was war dein Lieblingsbuch in der Kindheit?

Ralph Caspers: Das kann ich gar nicht so genau sagen. Ich habe früher total viel gelesen. Natürlich habe ich sowas wie „Die drei ???“ oder „TKKG“ und „Burg Schreckenstein“, diese typischen Kinder- und Jugendbücher gelesen. Und ich habe total gerne „Edgar Allen Poe“ gelesen. Es war nämlich so, dass wir bei irgendeinem Familienfest waren, da war ich so alt wie du, gerade 10 und mir war wahnsinnig langweilig, weil die Familienfeste früher einfach so unglaublich langweilig waren. Das war bei meinem Onkel und da bin ich einfach zum Bücherschrank gegangen, habe geschaut, was es da für Bücher gibt und habe da irgendein Buch herausgezogen. Das war eben von Edgar Allen Poe und aus diesem Buch habe ich dann Geschichten gelesen. Die waren echt super! Und seitdem bin ich ein großer Edgar Allen Poe-Fan.

Leonie Kokott: Und was ist heutzutage dein Lieblingsbuch?

Ralph Caspers: Heutzutage? Hmm…

Leonie Kokott: Es kann auch dein eigenes sein. 😉

Ralph Caspers: Ja, natürlich ist mein eigenes Buch mein Lieblingsbuch. Das Tolle ist ja, wenn man ein eigenes Buch hat, dann kann man genau die Geschichten schreiben, die man selbst lesen möchte oder die Geschichten, die man selber gerne vorlesen möchte. Das ist schon echt angenehm. Ansonsten habe ich nicht unbedingt DAS Lieblingsbuch. Das wechselt immer. Ich versuche immer, das Buch, das ich gerade lese, am liebsten zu lesen.

Leonie Kokott: Wie bist du eigentlich zum Bücherschreiben gekommen?

Ralph Caspers: Aus Langeweile. Ich habe meiner Tochter immer Sachen vorlesen müssen zum Einschlafen. Als sie ganz klein war, war das eben hauptsächlich Conni. Und Conni wird irgendwann echt langweilig.

Leonie Kokott: Ich erhebe Einspruch. Conni ist echt genial! Es gibt z.B. auch eine Conni 15-Reihe, d.h., man kann es von klein bis groß lesen.

Ralph Caspers: Ja, aber es ist echt nicht toll, wenn man fünfzehnmal hintereinander „Conni geht zum Zahnarzt“ oder „Conni kommt in den Kindergarten“ liest. Dann ist es mir passiert, dass ich die Bücher schon auswendig konnte und beim Vorlesen eingeschlafen bin. Trotzdem habe ich aber weitergesprochen, weil ich sie eben schon auswendig konnte. Irgendwann habe ich selbst Sachen dazuerfunden. Das kam aber nicht so gut an. Dann habe ich Conni weggelegt und gesagt „Ich erzähle dir jetzt was ganz anderes“. Also habe ich was ganz anderes erzählt. Das waren nach einer Weile aber so viele Geschichten, dass ich diese nur noch aufschreiben musste.

Leonie Kokott: Wem liest du als Erstes deine Texte vor?

Ralph Caspers: Mir. Beim Schreiben. Und dann lach‘ ich mich meistens kaputt. Aber ansonsten kommt es darauf an, was es für Texte sind. „Wissen macht Ah!“-Texte, die ich ja auch schreibe, die lese ich nur mir vor. Aber wenn ich Geschichten schreibe, dann sind meine Kinder eigentlich die ersten, denen ich davon erzähle und das dann vorlese.

Leonie Kokott: Du machst ja Lesungen mit Kindern. Fällt dir dazu spontan ein Erlebnis ein?

Ralph Caspers: Ja, da fallen mir viele ein. An was hast du denn gedacht?

Leonie Kokott: Vielleicht an was Witziges?

Ralph Caspers: Das, was ich da immer vorlese, sind ja Gute-Nacht-Geschichten. Und ich versuche immer, so langweilig und monoton wie nur möglich vorzulesen, damit alle einschlafen. Das ist mir bis heute aber noch nicht geglückt.

Leonie Kokott: D.h., das ist dein Ziel bei deinen Lesungen?

Ralph Caspers: Ja. Mein Ziel ist es, dass alle einschlafen. Ich arbeite daran und vielleicht klappt es ja hier bei dieser Lesung. Das Schöne ist ja, dass die Chance, je später man liest, steigt, dass die Leute schon müde sind. Aber wir werden es ja sehen, ob heute jemand einschläft. Also ist es vollkommen okay, wenn du einschläfst. Ich nehme es nicht persönlich.

Leonie Kokott: Gibt es bei dir so etwas wie einen typischen Arbeitstag?

Ralph Caspers: Ja, den gibt es. Wenn ich für „Wissen macht Ah!“ arbeite, sieht mein typischer Arbeitstag so aus, dass ich um 9 Uhr im Studio anfange. Dann mache ich erst mal eine Besprechung mit allen Leuten, die irgendwie mithelfen, wie der Drehtag aussehen soll. Anschließend werde ich geschminkt, während die dann schon mal die erste Moderation einrichten, also das Licht aufbauen, die Requisiten hinstellen und so. Wenn Clarissa und ich dann fertig sind, gehen wir ins Studio und machen eine Probe mit Kamera, Ton und allen Requisiten. Das wiederholt sich dann ein paar Mal, bis eine ganze Sendung fertig ist. Zusammen sind das sechs Moderationen, die sich wiederholen. Am Abend gegen 18 Uhr schminke ich mich dann ab und fahre nach Hause. Das ist dann so der typische Arbeitstag, wenn ich für „Wissen macht Ah!“ im Studio bin. Wenn ich aber schreibe und nicht ins Studio fahre, dann gibt es keinen typischen Tag. Manchmal bleibe ich einfach im Bett liegen. Manchmal stehe ich auf, ziehe mich aber nicht an und schreibe in der Küche. Manchmal setzte ich mich an meinen Schreibtisch. Manchmal fahre ich ins Büro und arbeite da. Manchmal gehe ich mit dem Hund spazieren und überlege mir da neue Geschichten. Manchmal fahre ich irgendwo hin und lese vor. Es gibt also keinen typischen Arbeitstag, den ich jeden Tag habe.

Leonie Kokott: Welche Arbeit magst du am meisten? Bücher schreiben, im Studio drehen oder die Arbeit zusammen mit Kindern und Jugendlichen, denen du etwas beibringen oder auch vorlesen kannst?

Ralph Caspers: Ich mag alles. Also, ich kann nicht sagen, was ich lieber mag. Tut mir leid.

Leonie Kokott: Ist ja aber auch schön, wenn dir deine Arbeit Spaß macht.

Ralph Caspers: Ja, das finde ich auch! Ich habe kein Hobby. Hobbys sind ja immer solche Sachen, die man braucht, um den Arbeitstag zu kompensieren, damit man da einen Ausgleich hat. Aber weil meine Arbeitstage immer so schön sind, brauche ich keine Hobbys zum Ausgleich.

Leonie Kokott: Ich brauch‘ meine Hobbys, damit mir nicht langweilig wird. Ich hasse es, wenn ich Freizeit und nichts zu tun habe.

Ralph Caspers: Aber ehrlich gesagt, finde ich Langeweile total angenehm. Als ich angefangen habe, zu studieren, hat der Rektor der Hochschule gesagt „Ihr habt hier alles, was ihr euch vorstellen könnt. Ihr habt die neuesten Geräte und ihr habt eine Codekarte, mit der ihr – egal, wann euch die Muse küsst – zu uns an die Hochschule kommen und eure Arbeiten machen könnt.“ Das war nämlich eine Kunsthochschule. „Ihr könnt jederzeit hier rein und euch auch zu Tode arbeiten“, hat der gesagt, „aber das Allerwichtigste, das, was ihr niemals vergessen dürft, ist, dass ihr regelmäßig die weiße Wand anstarren müsst“ Und das fand ich – ich bin ja eher faul – sehr angenehm. Ich dachte mir damals, dass endlich jemand sagt, dass es völlig okay ist, nichts zu tun. Das mache ich eigentlich auch total gerne. Natürlich tue ich nicht nichts, weil man ja trotzdem denkt. Oder selbst wenn man nicht das Gefühl hat, dass man denkt, arbeitet das Gehirn trotzdem irgendwie weiter. Bei mir zumindest ist es oft so, dass ich, wenn ich nicht weiß, was ich schreiben soll, das okay finde und einfach was anderes mache. Ich fange z.B. an, zu zeichnen oder ich mache eben gar nichts. Irgendwann ist es dann so wie bei einer Mikrowelle. Wenn man ein Fertiggericht in die Mikrowelle reingetan hat und die Mikrowelle anschaltet, macht es irgendwann „Pling!“ und es ist fertig. Genauso ist es auch, wenn ich über etwas nachdenke und keine Lösung habe. Ich mache etwas anderes und vergesse es bald, aber mein Gehirn arbeitet weiter daran. Und irgendwann macht es dann eben „Pling!“ und dann muss ich es nur noch aufschreiben und dann war’s das.

Leonie Kokott: Wenn ich nichts tue, dann kommen mir immer die verrücktesten Ideen. Dann fange ich sogar manchmal an, ohne Anforderung mein Zimmer aufzuräumen.

Ralph Caspers: Das ist krank. Wenn ich müde bin und wenn mir langweilig ist – langweilig ist mir oft, wenn ich eine stupide Arbeit habe oder irgendwo zu Gast bin – dann mache ich meistens Unsinn und Quatsch. Die Leute sind dann meistens sehr irritiert, aber das ist auch sehr lustig. Bei Müdigkeit und Langeweile passiert das bei mir häufig. Da habe ich oft auch am meisten Spaß.

Leonie Kokott: Warst du früher in der Schule der typische Klassenclown?

Ralph Caspers: Nein. Ich war in der Schule total unauffällig. Ich glaube, die meisten Lehrer erinnern sich gar nicht mehr an mich, weil ich so unauffällig war. Ich war immer sehr blass, meine Hautfarbe entsprach der weiß getünchten Wand. Ich konnte super Mimese machen, also ich konnte praktisch eins werden mit meiner Umgebung und keiner hat mich bemerkt. Darin war ich echt gut.

Leonie Kokott: Wie bei Harry Potter dieser Zauberumhang, mit dem man unsichtbar wird.

Ralph Caspers: Ja, genau so. Ich brauchte nur keinen Umhang, dafür habe ich selbst gereicht.

Leonie Kokott: Was fällt dir als erstes ein, wenn du an deine Abi-Zeit zurückdenkst?

Ralph Caspers: Ich glaube, das Schönste war das Austauschjahr, das ich in der elften Klasse in den USA gemacht habe. Das war super!

Leonie Kokott: Cool!

Ralph Caspers: Aber ansonsten fallen mir als erstes die Leute ein, mit denen ich Abi gemacht habe. Mit den meisten meiner Freunde, das sind zwar nicht so viele, aber mit denen habe ich immer noch Kontakt. Das war echt schön. Ich fand die Abi-Zeit eigentlich ganz angenehm. Wenn man Abitur macht, ist es ja eigentlich so, dass man weiß, wann die Klausuren sind und man teilt sich den Lernstoff ein bisschen ein.

Leonie Kokott: Auch wenn ich weiß, wann ich meine Arbeiten schreibe, lerne ich eh nicht drauf.

Ralph Caspers: Ja, das ist das große Problem. Das habe ich auch nicht gemacht. Ich habe meistens in der Nacht vorher versucht, irgendwie noch was zu lernen…

Leonie Kokott: Genau das mache ich auch immer.

Ralph Caspers: Das Problem dabei ist, dass man nie, wenn’s immer klappt und funktioniert, die Motivation hat, etwas zu ändern.

Leonie Kokott: Das sagt meine Mutter auch immer zu mir.

Ralph Caspers: Aber das ist echt doof. Wichtig ist aber, dass man irgendwann auch auf die Arbeiten lernt. Dass man lernt, wie man sich Sachen einprägt und im Gedächtnis behält. Irgendwo kommt nämlich ein Punkt, an dem sich nicht mehr durchwurschteln kann. Tja…

Leonie Kokott: Genau so klingt meine Mutter immer!

Ralph Caspers: Ja. Die hat Ahnung.

Leonie Kokott: Stell‘ dir mal vor, du wärst noch einmal 18. Was würdest du nach dem Abi machen? Würdest du etwas anders machen?

Ralph Caspers: Nein. Ich fand es nach dem Abi immer richtig schlimm, dass ich nicht wusste, was ich machen sollte. Aber jetzt, rückblickend betrachtet, war das total gut, dass ich überhaupt keinen Plan hatte. Dadurch habe ich nämlich das alles gemacht, was ich gemacht habe und sitze jetzt hier. Und das ist ganz schön.

Leonie Kokott: Hast du deine Karriere also nicht geplant? Bist du da also eher irgendwie „reingerutscht“?

Ralph Caspers: Ja. Ich habe überhaupt nichts geplant. Es war ein Zufall nach dem anderen und ich bin einfach nur immer weitergerutscht. Das Tolle, wenn man keinen Plan und kein Ziel vor Augen hat, ist, dass man dann eher guckt, was sich rechts und links vom Weg noch so ergibt. Dann hat man nicht immer so einen Tunnelblick und ist ganz auf das Ziel fixiert. So ein Tunnelblick sorgt dafür, dass man gar nicht richtig mitbekommt, was sich neben einem noch ergibt. Wenn man aber keinen Plan hat – zumindest war das bei mir so – dann habe ich immer geguckt, was sonst noch so da ist und habe Sachen gesehen, die ich sonst vielleicht gar nicht bemerkt hätte. So konnte ich jede Gelegenheit, die sich so ergab, beim Schopfe greifen.

Leonie Kokott: Wann wurde daraus ein konkreter Berufswunsch?

Ralph Caspers: Ich hatte nie einen konkreten Berufswunsch. Ich wollte auch nie Moderator werden, das ist einfach so durch Zufall passiert. Ich glaube, man muss viele Sachen ausprobieren. Es gibt ja eine große Anzahl an Tätigkeiten, die man gerne macht, aber da ist man nicht unbedingt überall gut drin. Dann gibt es wiederum Sachen, die kann man gut, aber die macht man nicht gerne. Ich kann z.B. sehr gut Zimmeraufräumen, aber ich hasse es. Ich mache das nicht sehr gerne. Auf der anderen Seite backe ich total gerne, aber das kann ich nicht so besonders gut. Aber wenn man viele Sachen ausprobiert, dann hat man irgendwann eine Schnittmenge. Dann findet man irgendwann etwas, das man gern macht und das man gut kann. Und wenn man das gefunden hat, dann ergibt sich der Rest meistens von ganz alleine.

Leonie Kokott: Heutzutage kennen dich sehr viele Kinder, teilweise auch Jugendliche oder auch Erwachsene. Wie fühlt sich das an?

Ralph Caspers: Die Menschen, die die Sendungen gucken, die ich mache, die sind sehr nett und sehr offen und freundlich. Das bedeutet, dass es, wenn ich angesprochen werde, immer sehr positiv ist.

Leonie Kokott: Wirst du oft auf der Straße angesprochen?

Ralph Caspers: Ich bin sehr schnell. Ich habe sehr lange Beine und gehe meistens sehr zielstrebig irgendwo hin. Dann bin ich meistens zu schnell wieder weg, als das mich jemand abfangen könnte.

Leonie Kokott: Träumst du manchmal von deinen Buchfiguren?

Ralph Caspers: Nein, bisher habe ich das noch nicht getan. Na ja, sagen wir es anders. Wenn ich träume, dann sind das manchmal Geschichten. Die wandle ich dann um und die kommen dann ins Buch rein.

Leonie Kokott: Kommen dir also im Schlaf die besten Ideen?

Ralph Caspers: Im Schlaf kommen einem gute Ideen. Zumindest denkt man, dass sie gut sind. Dann schreibt man das aber auf, guckt am nächsten Morgen auf den Zettel, den man beschrieben hat und denkt sich, dass das total langweilig ist. Im Schlaf wirken die Sachen also immer viel, viel besser. Manchmal ist aber trotzdem eine gute Idee dabei. Oder eben ein Bild, das toll ist und aus dem man was machen kann. Ansonsten kommen mir die Ideen einfach immer und überall. Alles, was ich erlebe, hat das Potenzial, mich zu einer Idee für eine Geschichte oder eine Moderation zu bringen. Das ist wirklich das Tolle an den Sachen, die ich mache. Denn alles bringt mich irgendwie einen Schritt weiter.

Leonie Kokott: Mir ist neulich aufgefallen, dass du den „Atlas Obscura“ auf CD eingesprochen hast. Man merkt, dass dir das liegt und dass du das gerne machst.

Ralph Caspers: Das macht einfach total Spaß! Ich mache das bei „Wissen macht Ah!“ oder auch bei der „Sendung mit der Maus“ auch. Da vertone und spreche ich die Beiträge und irgendwie ist das eine total schöne Arbeit. Man kann einfach reden und erzählen und ich erzähle ganz gerne.

Leonie Kokott: Das merk‘ ich! 

Ralph Caspers: Oh Gott! Ich rede zu viel, oder?

Leonie Kokott: Nein, nein. Das passt schon!

Ralph Caspers: Gut.

Leonie Kokott: Wie lange musstest du dich fürs Einlesen des „Atlas Obscura“ vorbereiten?

Ralph Caspers: Ähm… Das muss jetzt aber unter uns bleiben! Beim „Atlas Obscura“ habe ich einfach so abgelesen. Da habe ich mich überhaupt nicht vorbereitet. Ich wollte mir das Buch vorher mal durchlesen, aber da gab es das noch nicht. Und dann habe ich das vergessen. Aber die Texte sind ja sehr gut geschrieben und die kann man auch sehr gut lesen, insofern ist das nicht so schlimm. Wenn ich anspruchsvolle Literatur sprechen würde, dann müsste ich mich anders vorbereiten.

Leonie Kokott: Wenn du dein Leben mit jemandem tauschen müsstest, wer wäre das?

Ralph Caspers: Das kann ich so spontan gar nicht sagen. Aber ich glaube, dass es mal ganz interessant wäre, mein Leben mit einer Frau zu tauschen, weil ich glaube, dass die Welt da ganz anders aussieht und ganz anders auf einen reagiert. Es wäre natürlich aber auch schön, wenn man das wieder rückgängig machen könnte. Ansonsten müsste ich da erstmal überlegen. Mit wem würdest du denn tauschen?

Leonie Kokott: Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, denn es gibt viele tolle Menschen, aber es kommt natürlich immer darauf an, wie lange das anhält.

Ralph Caspers: Genau, das stimmt.

Leonie Kokott: Erzähle mir doch zum Schluss noch deinen Lieblingswitz!

Ralph Caspers: Ich habe viele Lieblingswitze. Aber einer meiner Lieblingswitze ist der da: Ein Huhn steht an einer Straße und sieht auf der anderen Straßenseite ein anderes Huhn und fragt das Huhn: „Hey! Wie komm‘ ich rüber auf die andere Seite?“ Worauf das andere Huhn antwortet: „Du bist auf der anderen Seite!“ Okay, der war jetzt wohl nicht so lustig. Gut, ein anderer. Wusstest du, dass Jungs schlauer sind als Mädchen?

Leonie Kokott: Wieso?

Ralph Caspers: Mist! Du hättest sagen müssen: „Nee, wusste ich nicht!“ Dann hätte
ich gesagt: „Siehst du?“ Aber eigentlich gehört der Witz eigentlich anders herum: Die kleine Schwester sagt zu ihrem großen Bruder: „Wusstest du, dass Mädchen schlauer sind als Jungs?“ Der dann so: „Nee, wusste ich nicht!“ und sie dann so: „Siehst du?“

Leonie Kokott: Ich selbst kann zwar sehr schlecht Witze erzählen, aber mein Lieblingswitz ist: Was sagt der große Stift zum kleinen Stift? Wachs-Mal-Stift!

Ralph Caspers (lacht): Sehr gut!

Abschließend kann ich nur sagen, dass nicht nur die Lesungen von Ralph Caspers der absolute Wahnsinn sind, sondern auch das Interview. Es war herrlich lustig und sogar mein 13. Interview im Jahr 2019. Mal schauen, was das neue Jahrzehnt noch so alles mit sich bringt. Ich kann es kaum erwarten.

Dezember 2019